Berlin Marathon 2002

Am 29. September war es so weit - wir waren bei unserem ersten Marathon. Und dann gleich in Berlin. Leider haben drei von uns schlapp gemacht - Krankheit im September war nicht eingeplant - und so waren nur noch die Oldies Sigi und ich am Start. Nicht ganz, denn wir hatten doch noch Zuwachs bekommen. Völlig ungeplant waren noch Jasmin und Vroni zu uns gestoßen, die eigentlich mit ihrer Gruppe aus Krichheim/Teck unterwegs waren, aber weil sie später angereist waren, dann zu uns stießen. Aus unserem Rest-Duo war also wenigstens noch ein Quartett geworden.

Anreise war am Freitag - und zum ersten Mal schnupperten wir die Luft eines großen Sport-Events. Die Ausgabe der Startunterlagen bei der Marathonmesse war einfach, der Chip teuer und die Schlange vor den Instant-Suppen lang (wir haben auch noch welche bekommen). Den Gutschein zum Pasta-Buffett haben wir nicht verwendet, aber Erwin und Günter (die Runner) haben sich doch gestärkt.

Der Samstag begann für Günter und Erwin mit dem Frühstückslauf (Erwin: 'Ich habe auch einen Tropfen Schweiß verbraucht') und für uns mit einem Bummel zum Startplatz - wollten ja wenigstens wissen, wo es am Sonntag losginge, und dann nochmals weiter zur Messe, die Unterlagen für Jasmin und Vroni besorgen. Der Nachmittag vergeht gemütlich - Mini-Sightseeing am Potsdamer Platz und Reichstag.

Sonntag Morgen - Frühstück ist um 6:00 Uhr angesagt. Eigentlich zu früh für unsere Quartierunternehmer - aber für die Marathoner, die einen Großteil der Gäste ausmachen, geht das halt doch in Ordnung. Anfahrt zur Urania mit Taxi - und wir sind seeehr früh da. Alles klappt bestens, Abgabe der Straßenbekleidung im Zelt, einige Erinnerungsfotos und los gehts.

8:25 - Start der Besten. Wir - ohne Vergleichszeit - starten natürlich ganz hinten und überqueren die Startlinie erst 5 Minuten später - was aber nichts ausmacht, da ja auch die Nettozeit gemessen wird. Die ersten km gehen wir ziemlich locker an: An der Siegessäule auf die Straße des 17. Juni - weiter durchs Brandenburger Tor (das zwar noch verhüllt ist, aber für die Skater und Läufer soweit geöffnet wird, daß wir halt durchkönnen). Noch ist ziemliche Enge auf der Straße, trotz 'Unter den Linden' - es sind halt 8000 Skater unterwegs. Bei km 8 löst sich Sigi von mir und fährt sein eigenes Rennen.

Danach beginnt auch für mich so langsam die Zeit, in der ich mir Gedanken über die Endzeit mache. Bin zwar gut unterwegs, kann aber nicht einschätzen, ob ich das Tempo halten kann. Angesagt - als Wunschziel - war ja eine Zeit unter 2 Stunden. Am Potsdamer Platz habe ich mal kurzfristig eine Gruppe erwischt, bei der ich Windschatten fahren kann - ansonsten ist damit ziemlich Sense - keiner fährt mein Tempo, bis ins Ziel.

Der erste innere Schweinehund kommt dann etwa beim Halbmarathon. Das ist auch so etwa die Distanz, die wir nomalerweise trainieren. Im Nachhinein sehe ich, daß auch Sigi hier etwas langsamer geworden ist. Aber das Publikum trägt einen richtig weiter. Es ist unglaublich, daß diese Anfeuerung wirklich wirkt.

Schön sind dann die letzten 10 - 15 km. Im Geiste zähle ich zurück: Jetzt bin ich am Stausee, in Königsbrunn, ... etc. Es geht aber auch wirklich toll voran. Das Publikum ist hier wirklich unglaublich zahlreich, die Kids wollen abgeklatscht werden und gleichzeitig sind wir immer noch schnell unterwegs. Die Einfahrt auf den Kudamm ist dann schon wie das Finish - nur daß da noch 2 km zu skaten sind. Ich hatte nie gedacht, daß der Kudamm wirklich soooo lang ist ... schließlich gehts an der Gedächtniskirche vorbei, und da ist das Ziel dann schon zu sehen.

Irgendwie notiere ich geistig meine Endzeit - so um die 1:50 - also deutlich besser als das gesteckte Ziel. Einfach Klasse. Im Auslauf treffe ich noch einen Kanadier, den ich vor dem Rennen kennengelernt hatte - nahezu gleiche Zeit. Und kurz darauf sind auch Vroni und Jasmin im Ziel - nur Sigi fehlt also dem Team. Aber der ist ja schon zuvor eingelaufen.

Das erste Telefonat geht nach Hause: Dank der SMS-Übertragungstechnik ist meine Zeit schon angekommen - und von zu Hause erfahre ich auch meine effektive Endzeit: 1:46:18 - phantastisch, beim ersten Marathon. Fast eine Viertelstunde schneller als im guten Falle erwartet.

Jetzt ist auch Zeit für Flüssigkeitsnachschub - aus den zig-Tausenden von Gatorates geht eine davon ungebremst bei mir rein. Habe doch mehr Flüssigkeit verloren, als mir unterwegs klar war.

Bald treffen wir auch Sigi, der etwa 3 Minuten schneller war als ich, und kümmern uns um den Zieleinlauf von Erwin. Er will ja unbedingt bei M65 deutscher Meister werden. Und er läuft mit 3:00:15 ein - Meisterschaft erreicht, Zeit knapp verfehlt. Gratulation.

Abends wird dann noch etwas gefeiert, zunächst bei einem guten Dinner, dann bei der Marathonparty. Und schließlich gibts dann noch den Tagesspiegel, mitten in der Nacht, in dem schon alle Ergebnisse abgedruckt sind. Kleine Ernüchterung: In meiner AK bin ich nur 229. geworden. Da ist wohl doch eine gewaltige Leistungsexplosion im Gange gewesen. Das tolle Gefühl des ersten gelaufenen Marathons bleibt aber noch lange.