Berlin Marathon 2003
27. (und 28.) Sept. 2003

Bestzeiten für alle!

Zum ersten Mal war heuer der Big-Event in zwei Teile aufgespalten: Wir Skater mussten mit dem Samstag Nachmittag vorlieb nehmen (obwohl mir die Startzeit viel eher liegt), wohingegen die Läufer und alle anderen zu den bekannten Zeiten am Sonntag starten konnten. Natürlich erwarteten wir (und offenbar auch noch viele andere - denn sonst hätten wohl noch mehr Teilnehmer gemeldet), daß die Berliner diesen zweigeteilten Event nicht richtig annehmen würden, und wir vor einer ‚Geisterkulisse' einiger Supporter, Verwandter und Freunden unsere 42,195 km Runde düsen durften. Aber - weit gefehlt! Völlig wider Erwarten haben uns hunderttausende Zuschauer begeistert angefeuert - ein ganz, ganz großes Kompliment an die Berliner! Das hätten wir uns wirklich nicht träumen lassen.

Die Kulisse war dann auch ein richtiger Anreiz für eine Bestzeit - nicht nur am Sonntag, als ja der Weltrekord so richtig gesmashed wurde - sondern auch für uns. Die Vorbereitung war für Sigi und mich recht gut gelaufen und wir fühlten uns auch in der Lage dazu, die Zeit des letzten Jahres deutlich unterbieten zu können. Da wir dann noch am Freitag Abend auch Vroni und Jasmin dazu überreden konnten, sich uns und dem Team um experts-in-speed anzuschließen, waren wir alle gespannt, was wir ohne Praxis in Windschattenfahren rausholen würden.

Samstag Vormittag gings noch in eine kleine Vorbereitung - Kennenlernen der Gruppe (hoffentlich) gleich schneller Skater, einige Runden düsen und Einnahme eines exzellenten Brunches. So kam für Sigi und mich die sportliche Vorbereitung wegen der kulinarischen wirklich etwas zu kurz. Wir hatten uns - reichlich ambitioniert - für die 1:35er Gruppe angemeldet, was für mich ja eine Steigerung um 12 Minuten bedeutet hätte. Vroni und Jasmin waren auch nicht gerade zimperlich mit ihrer Zielzeit von 1:40. Mal sehen.

Am Start waren wir dann noch so richtig eine homogene Gruppe - aber schon 200m danach nicht mehr, als die ersten unserer Mitskater schon dem Anfangstempo nicht mehr gewachsen waren. Auch die Hilfe von Dirk, unserem zweiten Guide, hat da nicht mehr viel genutzt, und ich war vollauf damit beschäftigt, für mich und einige dummerweise hinten gestartete Mitläufer den Anschluß an den Rest herzustellen. Dann wären wir fast alle noch einem Kanaldeckel zum Opfer gefallen, der nach ca. 5 km einfach so in der Straße war, uns richtig ins Straucheln und mir eine leichte Zerrung brachte. Trotzdem blieb die Gruppe in der anvisierten Zeit - auch dank der hervorragenden Einteilung, die Kathrin, unser erster Guide, mitbrachte. Sie war vor allem dafür verantwortlich, daß wir die gesamte Zeit das Tempo nahezu konstant und bis ins Ziel hielten. Und das, obwohl so manche Führungsarbeit nicht gerade optimal war, manches Einsortieren nach der Führung so arge Probleme machte und an einigen Stellen auch schon mal der Gedanke an etwas weniger Speed kam. Jedenfalls waren wir dann nur noch eine relativ kleine Gruppe am Ende, zu der dann auch noch Dirk aufgeschlossen hatte, dessen Bemühungen, den abgefallenen Rest doch noch ranzuführen, nicht erfolgreich waren. Und unsere Zeit blieb sogar noch deutlich unter der geplanten Zielzeit: Sigi und ich kamen (nach einigen Wehen der Zeitnahme mit einer Sekunde mal hin, mal her) schließlich mit 1:32:11 ins Ziel, einem Schnitt von knappen 27,5 km/h. Die Anmeldung bei experts-in-speed hat sich für uns wirklich bezahlt gemacht, nicht nur wegen der Zeit, sondern auch wegen der netten Sportkameraden, die wir kennengelernt haben. Und unsere beiden Mädels aus dem Badischen: Auch die kamen mit persönlichen Bestzeiten ins Ziel - beide um die 1:37 - wobei aber Vroni einige Zeit allein gefahren war, nachdem ihre Gruppe nicht mehr richtig funktionierte.

Für uns jedenfalls war dieser berliner Samstag ein phantastisches Erlebnis - klar, daß wir auch nächstes Jahr wieder dabei sein werden.

Der Rest: Nach dem Überfahren einiger Spots vor dem Reichstag war ich wohl temporär etwas erblindet, sodaß ich ein Loch einfach nicht mehr gesehen habe: Ergebnis - ein offener rechter Ellbogen, was den Vorteil hat, daß ich jetzt wenigstens symmetrische ‚Abnutzungserscheinungen' an beiden Armen habe. Nett, daß ich im Lokal, das wir fürs Dinner rausgesucht hatten, gleich noch sehr gut verbunden wurde; und es ist nicht nur deshalb eine Empfehlung wert (siehe Link).

Am Sonntag wollten wir dann natürlich auch mal bei den Läufern dabei sein und platzierten uns ca. 1 km vor dem Ziel unter den Linden. Schon faszinierend, wenn die Spitzenläufer mit einem Tempo vorbeidüsen, das manche Radfahrer zum Schwitzen bringt. Da wussten wir zwar noch nichts vom Weltrekord, aber daß die beiden Führenden verdammt schnell waren, war auch so offensichtlich. Ganz besonders haben es mir die Wheelies angetan - deshalb auch die vielen Fotos. Und leider haben wir Jens verpasst, meinen Kumpel, der seine geplante Endzeit doch nicht erreichen konnte.

Nach der ursprünglichen Skepsis ist jetzt wohl klar, daß der zweigeteilte Event nicht nur vorzüglich organisiert war, sondern auch richtig angenommen wurde. Vielleicht nehmen sich andere Veranstalter daran mal ein Beispiel: Skating ist nicht mehr die Randsportart von vor einigen Jahren, sondern hat sich ihren Platz als ‚richtiger' Leistungssport erobert. Und wir sind wieder dabei. Bestimmt!

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